2017: Mehr Reichweite, neue Modelle. Alles Gut?

Der Pariser Autosalon hat für viel Aufruhr in der Gemeinde der Elektro-Mobilisten gesorgt.  Die positive Entwicklung im Bereich der Akkukapazitäten und das erste wirklich massentaugliche E-Auto aus deutscher Konstruktion erlangten die meiste Aufmerksamkeit.

Nachdem sich das Wirrwarr aus Spekulationen im Netz und Veröffentlichung der Hersteller in den verschiedenen europäischen Ländern ein wenig gelichtet hat, ist es an der Zeit, zu sehen, was das neue Jahr nun tatsächlich für den deutschen Markt auf Lager hat.

Während sich die etablierten deutschen Hersteller eher provisorisch mit visionären Hightech-Studien und Fantasie-Reichweiten auf dem Elektromarkt zu etablieren versuchen, warten Renault und Opel mit konkreten Verbesserungen ihres Bestandsmodells respektive einer Neueinführungen auf.

Es scheint, als solle das Unwort Reichweitenangst im kommenden Jahr kein Thema der Elektromobilität mehr sein. Über 300 km (NEFZ 400 km) beim Renault Zoe und rund 400 km (NEFZ 500 km) beim Opel Ampera-e sollten als absolut alltagstauglich angepriesen werden.

Es tut also nicht Not und ist auch überhaupt nicht zielführend, wenn jetzt ein Buhlen um Kundschaft mit einer Art Reichweiten-Geprotze gestartet wird. Denn wer fährt schon weiter als 300 km am Stück, ohne zumindest eine halbe Stunde Pause einzulegen. Vielmehr sollte mit Einführung des neuen Mobilitäts-Konzepts ein Nach- und Umdenken über die eigene Mobilität angeregt werden. In einem gut ausgebauten Netz von bedarfsorientierten Ladestationen ist es nicht notwendig, überdimensionierte Batterie-Speicher in die neuen Fahrzeuge einzubauen.

Auf Langstrecke, bisher nicht das Terrain der reichweitenlimitierten Einstiegsmodelle, verhilft ein gut ausgebautes Schnellladenetz zu einem zügigen Vorankommen. Sowohl Zoe (43 kW Typ2) als auch der Ampera-e (60 kWh / 50 kW CCS / 202 PS), dessen Preis für den deutschen Markt noch nicht veröffentlich wurde, aber wohl jenseits der 30.000 Euro-Marke liegen dürfte, laden an der richtigen Säule in einer Stunde rund 300 km nach. Fraglich bleibt nur, warum E-Mobilitäts-Pionier Renault das von seinem ersten Zoe-Modell Q210 bekannte Schnellladesystem scheinbar nur dem deutschen Markt vorenthalten will. Der Q90 (41kWh / 43 kW / 88 PS / ab 17.100 Euro förderungsbereinigt) findet sich in allen europäischen Preislisten. Renault Deutschland bietet hingegen einzig den R90 mit dem schon aus dem R240 bekannten 22 kW-Ladesystem an, der den Gewinn an Reichweite durch mehr Kapazität ein Stück weit ad absurdum führt.

Denn mit zunehmender Streckenlänge büßt der R90 seinen Vorteil, den er beim Losfahren mit vollgelademen Akku hat, kontinuierlich ein, da eine Aufladung für 250 km viermal so lange dauert wie beim Einstiegsmodell Q210 für 125 km. Der R90 taugt also allenthalben für Reichweitenphobiker mit Lokalpatriotismus, die sich selten weit von der heimischen Trutzburg entfernen und keine heimische Lademöglichkeit haben.

In diesem Sinne schließe ich mich dem Appell der Allgemeinheit an. Renault Deutschland, gebt den Q90 frei!!!

Auch Zoe-Bestandskunden können von der neuen Akkuentwicklung profitieren, so sie die Notwendigkeit dazu sehen. Der von LG Chem entwickelt und nur rund 20 kg schwerere Zellenspeicher wurde hauptsächlich durch Zellverdichtung aufgepumpt und kann so mit identischen Ausmaßen auch im Tausch in die Modelle Q210 und R240 eingebaut werden. Die Kosten sollen bei 3.500 Euro liegen. Auch ein lukratives Angebot für den Wechsel zu einem komplett neuen R90 oder Q90 soll den Kunden der ersten Stunde unterbreitet werden.

Haben viele Menschen die Elektromobilität bislang nur als Nischenprodukt und die dazugehörigen Fahrzeuge als Spielzeuge angesehen, zeigen jetzt die eiligst von Volkswagen, Mercedes und Co. vorgestellten Konzepte, dass der Markt ab sofort ernst genommen wird und sich damit ein deutliches Wachstum anbahnen wird. Mit alltagtauglichen Fahrzeugen zu akzeptablen Preisen und einem gut ausgebauten Ladenetz wird die Elektromoblität als Zukunftskonzept nicht mehr aufzuhalten sein.

2 Gedanken zu „2017: Mehr Reichweite, neue Modelle. Alles Gut?“

  1. Ich habe das Folgende vor kurzem zum Thema “Wieviel Akku braucht das Auto” im Forum von GoingElectric.de geschrieben.
    Da es hier auch zum Thema passt habe ich den Text hier jetzt auch eingestellt.

    In meiner perfekten E-Autowelt würden ca. 40kWh reichen.
    Da kann ich dann im Winter 200km schaffen ohne zu frieren, im Sommer habe ich dann 300km. Und auf der Autobahn kann ich auch mal Strom geben wenn ich es eilig habe und muss nicht hinter LKW herschleichen. Damit kann ich 95% aller Fahrten abdecken.
    Wie man jetzt bei der neuen Zoe sieht, hat sich die Batteriekapazität fast verdoppelt bei gleicher Baugröße und Gewicht. Wenn die Entwicklung so weiter geht, könnte in naher Zukunft die Batterie bei gleicher Kapazität(40kWh)nochmals schrumpfen bei weniger Gewicht.

    Damit hätte man dann Platz geschaffen im Unterboden für einen Wechselakku. Dieser Wechselakku würde auch ca. 40kWh haben. Diesen Wechselakku brauche ich aber nur für die restlichen 5% meiner Fahrten, also für Langstreckenfahrten. Da ich keine Lust habe an den sog. Schnellladesäulen zu stehen bzw. darauf zu warten bis eine frei wird, fahre ich einfach durch die nächste Wechselstation und lasse mir einen vollen Akku unter den Wagen kleben. Der reine Wechselvorgang dauert bekanntlich ca. eine Minute. Man rollt quasi im Schleichgang durch die Anlage und der Akku wird dabei getauscht. Kein Aussteigen, kein Kabelgewirr, kein im Regen stehen.

    Es gibt nur eine Standardgröße für den Akku, weil dieser ja ausreichend ist für ca. 250 bis 300km Autobahn. Damit kann ich dann bei 3 oder 4 mal Wechseln von Nord nach Süd durch Deutschland düsen und kann auf die Wartesäulen sprich Schnellladesäulen, die auch nur bis zur 80%-Marke schnell laden, verzichten.

    Diese Wechselakku sind nur in der Wechselstation aufladbar und im Auto wird nur daraus Energie abgeben. Bremsenergie wird nur in den interen Akku gespeichert. Das bedeutet während der Fahrt mit einem Wechselakku wird mein interner Akku aufgeladen.
    Kurz vorm Reiseziel gebe ich den Akku wieder ab und düse mit dem Strom aus dem internen Akku weiter.

    Die Wechselstationen werden von den großen Energieunternehmen betrieben. Die Lizenz dafür bekommen Sie aber nur in Gegenleistung auf den Verzicht weiterhin Kohlestrom zu produzieren. Die Wechselstation ist auch gleichzeitig für die von allen geforderte Regelleistung geeignet um das Stromnetz stabil zu halten. Die Wechselstationen können entlang der Autobahnen, an den Raststätten oder auch auf den Autohöfen stehen, die dann auch von den Bundesstraßen aus erreichbar wären, falls man den Akku für größere Überlandtouren braucht.

    Wie oben erwähnt, fährt man durch die Wechselstation ohne zu halten. Das langsame Durchfahren übernimmt das autonome Auto um die Geschwindigkeit für den Wechselvorgang konstant zu halten.
    Die Wechselstationen sind so gebaut, dass es zwei Einfahrten für Pkw, einen für Transporter, einen für Gespanne sprich Auto mit Wohnwagen oder Anhänger und Campingfahrzeuge gibt.
    Durch die Länge der Halle sind gleichzeitig mehrere Fahrzeuge pro Spur in der Lage den Akku zu tauschen.

    Mit den Jahren wird sich bei gleicher Baugröße der Wechselakkus die Speicherkapazität vergrößern, was den Kunden freuen dürfte.
    Die Autobauer haben nicht mehr den Druck sich gegenseitig bei der Speichergröße des interen Akkus zu übertrumpfen. Was nützt einem denn der größte Akku, der 1000km Reichweite schafft, wenn ich diesen nicht schnell voll kriege, weil ich an der Ladesäule evtl. warten muss bis ein anderer seinen Wagen vollgeladen hat oder der erst nach seiner einstündigen Mittagspause nach seinem Wagen schaut. Da ist der Streit doch vorprogrammiert.

    Der Wechselakku braucht nur eine Bauhöhe von ca. 10 cm und die Energie wird per Induktion abgegeben.
    Da die Autos ja immer größer werden, wäre es sogar möglich bei einem SUV oder Transporter gleich zwei Akkus übereinander von unten einzusetzen.

    Und da bekanntlich für jeden der beruflich mit dem Auto unterwegs ist und Zeit = Geld bedeutet, können wir uns die Warteladerei ja für die Freizeit aufsparen. Sicherlich wird es auch noch Autos mit größeren Akkus geben die dann den Wechselakku nicht brauchen. Der “Normale Fahrer” wird aber mit der günstigen internen Akkuvariante mit AC-Ladetechnik und dem Wechselakku für alle Situationen bestens gerüstet sein.

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