Das E-Auto im Winter neu erleben

Passt ein Elektroauto zu meinem persönlichen Fahrprofil? Um diese Frage zu beantworten, habe ich vor dem Kauf meine Renault Zoe im Juni diesen Jahres ausgedehnte Recherchen im Internet betrieben. Ich habe viele Blogs von Zoe-Besitzern studiert und habe aktuelle Diskussionen in E-Auto-Foren gelesen.

Relativ schnell kam ich zu dem Schluss, dass ich mich durchaus auf das “Abenteuer” E-Mobilität einlassen kann. Das war meine Erkenntnis im Sommer. Inzwischen neigt sich das Jahr dem Ende entgegen und wir hatten schon im November in Norddeutschland ungewöhnlich tiefe Temperaturen von bis zu minus 7 Grad. Das war die Zeit, in der ich meinen Stromer neu kennenlernte.

Mein Auto steht in Ermangelung einer Garage im Freien und ist so der vollen Witterung ausgesetzt. Das bedeutet auch, dass es bei Minusgraden eingefroren ist. Das könnte ich verhindern, indem ich den Timer der Wärmepumpe programmiere und das Auto so eine halbe Stunde vor Abfahrt abtauen lasse. Das geht nur, wenn das Auto ans Stromnetz angeschlossen ist. Das war bei mir bislang nicht der Fall.

Also hieß es für mich Scheiben freizukratzen. Nachdem dies getan war, startete ich den Motor – wenn man das denn so nennen kann. Kein endloses Drehen des Anlassers, das Display zeigte einfach Bereitschaft, das war es schon. Und kurz darauf sprang auch schon die Wärmepumpe an. Ich habe die Klimaautomatik auf 20 Grad stehen, schon nach wenigen Sekunden kommt warme Luft aus den Lüftungsdüsen und ich kann der Frontscheibe beim Freiwerden von Beschlag zusehen. So kannte ich das nicht vom Verbrennungsmotor.

Also kann ich relativ schnell mit klarer Sicht losfahren. Von geräuschlos kann jetzt allerdings keine Rede mehr sein. Denn die Wärmepumpe sorgt für ein deutliches lüfterähnliches Geräusch. Und das während der gesamten Fahrt, auch wenn es während der Fahrt kaum noch auffällt. Kaum im Büro angekommen, erhalte ich den Anruf eines Kollegen, der sich nach der Quelle für die lauten Geräusche an meinem sonst so leisen Auto informiert. Man befürchte Explosionsgefahr ob des Gedröhnes und erwäge, den Parkplatz zu räumen. Ich kann die Bedenken ausräumen und blinden Aktionismus verhindern.

Im Display ist die Aktivität der Wärmepumpe ebenfalls zu erkennen. Sinkt die Verbrauchsanzeige im Sommer im Stand auf 0 ab, bleibt sie bei eisigen Außentemperaturen bei bis zu 3 kW stehen. Wenn man bedenkt, dass man den Akku im Winter in rund einer Stunde leergefahren hat, bedeutet das einen Verlust von rund 3 kWh oder 15 Prozent der Akkuleistung.

Die Wärmepumpe ist übrigens der einzige Verbraucher, der sich signifikant auf die Reichweite auswirkt. Weder Licht, noch Klimaanlage oder Scheibenwischer und Radio fallen hier weiter ins Gewicht. Bitte bedenken Sie, sie fahren mit vollem Akku soviel Strom spazieren, wie sie in einem Einfamilienhaushalt in zwei bis drei Tagen verbrauchen.

Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass meine Reichweite durch weitere Faktoren bedingt von stolzen 190 km im Sommer auf rund 130 km bei Temperaturen von -5 Grad absinkt. Da wir hier im Norden allerdings eher selten Frost haben und mein täglicher Arbeitsweg nur 68 km beträgt, bringt mich das nicht in Schwierigkeiten. Ein allabendliches Aufladen an der heimischen Steckdose wird jetzt aber zur Pflicht, da der Schnelllader um die Ecke mein Fahrzeug beim durchschnittlichen Einkauf nicht mehr voll auflädt. Denn auch mit warmgefahrenem Akku ist an 43 kW Ladeleistung nicht mehr zu denken. Trotzdem richte ich mich so ein, dass ich kurz nach der Heimfahrt zum Supermarkt fahre, dann ist die Ladegeschwindigkeit noch halbwegs erträglich.

Das E-Auto hat also im Winter Vor- wie auch Nachteile. Besonders die Nachteile des höheren Verbrauchs sollte man einkalkulieren, wenn man sich mit der Anschaffung eine Stromers befasst. Ich kann mich gut damit arrangieren und muss meine Gewohnheiten nur geringfügig darauf einstellen.

2 Gedanken zu „Das E-Auto im Winter neu erleben“

  1. Ich finde nicht, dass es einen höheren Verbrauch im Winter gibt.
    Vielmehr hat man im Sommer einen wesentlich geringeren Verbrauch!
    …es kommt halt immer nur auf die Sichtweise an…

  2. Danke für deinen Beitrag dazu. Ich fahre oft unterschiedliche Elektroautos und auf meiner Pendelstrecke von 45 km habe ich mich an das Vorheizen gewöhnt, anschließend mit Lenkrad- und Sitzheizung viel gearbeitet und kam damit gut zurecht. Allerdings blöd bei anderen Mitfahrern, da muss dann doch der gesamte Innenraum beheizt werden oder eng wird es zudem wenn die Scheiben dann wieder zu sind.

    Es ist also absolut korrekt, dass man bei einem Kauf eines Elektroautos den Winter auf keinen Fall vergessen sollte.

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