Der Reichweitenangst die Stirn geboten

Neue Techniken bringen gerne auch neue Begrifflichkeiten mit sich. So ist es auch bei der E-Mobilität. Viele Erst-Fahrer berichten nach ihrer Tour über eine unterschwellige Panik beim Blick auf die Reichweitenanzeige der Batterie. Bloß nicht liegenbleiben lautet die Devise. Die sogenannte Reichweitenangst hat zugeschlagen.

Auch ich habe mich gleich an meinem ersten E-mobilen Wochenende dieser Phobie ausgesetzt. Wir sind auf einer Hochzeit in der Lüneburger Heide eingeladen. 76 km einfache Entfernung. Doch zurück müssen wir ja auch noch. Ohne jegliche Erfahrung mit der Ausdauer meines Zoe ist es ein wenig eine Fahrt ins Ungewisse und ich erstelle mir einen Notfallplan, sollte sich abzeichnen, dass es auf dem Rückweg nicht reichen wird. Im Zweifelsfall machen wir bei meinem Renault-Verkäufer in Othmarschen Station. Dort kann es am Sonntag aber sein, dass die Wallbox belegt ist. Also markiere ich mir auch noch eine Lademöglichkeit am Eidelstedt-Center.

Zoe steht also am Samstag Vormittag vollgeladen in der Einfahrt. Ich überlege noch, den Reifendruck auf 3 Bar zu erhöhen. Mit diesem Druck soll der Verbrauch am geringsten sein. Ich habe den mobilen Kompressor schon in der Hand, als mir einfällt: “Halt, das kostet mich ja Ladung”. Also stecke ich den Verbraucher wieder ein und beschließe, dass der Luftdruck schon keinen so großen Einfuss haben wird.

Wir fahren also bei Quickborn auf die nahegelegene A7 auf und ich freue mich schon bald über die Dauerbaustelle auf Hamburgs meistbefahrener Autobahn. Nun schwimme ich mit 70 im Verkehr mit und habe einen sehr geringen Verbrauch. Als dann der Elbtunnel naht, mache ich meine Segelpremiere. Kurz gesagt, als die Asphaltbahn langsam Gefälle aufnimmt, schalte ich auf neutral und lasse Zoe fast ohne Reibungsverluste kraft seines hohen Gewichts Geschwindigkeit aufnehmen. Bis zum tiefsten Punkt habe ich von 85 auf 107 km/h beschleunigt. Wahnsinn, wie Zoe auch ohne Strom zu geben vorwärts kommt.

Als wieder Licht am Ende des Tunnels aufblitzt, habe ich ein Wohnmobil mit 95 km/h erreicht. Idealer Windschatten für Zoe, der im Eco-Modus maximal 97 km/h fährt. Von diesem lassen wir uns bis zur Ausfahrt Egestorf ziehen und erreichen den Ort der Hochzeit mit satten 57 Prozent Ladung. Das sollte doch für den Rückweg auch noch reichen.

Einmal an disem Tag erleide ich aber doch nochmal eine Angstattacke, als einer der Gäste spaßeshalber meint: “Ich glaube, du hast dein Licht angelassen. Morgen ist die Karre leer.” Ein wenig zehrt diese Aussage an meinen Nerven. Klar, das Licht habe ich ausgeschaltet, aber gibt es noch irgendwelche Verbraucher, die mir einen Strich durch meine gute Ausgangssituation machen könnten?

Am nächsten Morgen bin ich aber wieder obenauf. Nicht nur, dass die Ladeanzeige weiterhin bei 57 Prozent steht. Nein, auch zahlreiche Gäste stehen – nämlich um mein Auto herum. Alle wollen sich das einmal ansehen. Der Porsche Cayenne des Trauzeugen drei Plätze weiter sorgt für keine weitere Aufmerksamkeit.

Wir machen uns also gut gelaunt ob einer schönen Feier und dem positiven Erlebnis mit unserem neuen Auto auf den Rückweg. Schon am Elbtunnel hat die Restreichweite die Reststrecke überholt. Wir packen das. Und tatsächlich kommen wir mit 19 km Restreichweite nach 156 km wieder an unserer kostelosen Ladesäule an.  Hier die Statistik unserer Fahrt.

12,1 kW/h auf 100 km, das ist doch weit unter dem offiziellen Verbrauch. Da behaupte noch jemand, Zoe sei nicht autobahnkompatibel. Ich vermute sogar, dass an die 200 km auf dieser Tour drin gewesen wären. Auf jeden Fall bin ich nun überzeugt davon, einen guten Zoe mit einem guten Akku erwischt zu haben.

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Statistik unserer Tour
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Die Restreichweite

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