Der Verbrenner an der Ladesäule

Immer wieder frage ich mich, was eigentlich so schlimm daran ist, auf dem Supermarktparkplatz mal ein paar Meter zu laufen? Zeitverlust? Bequemlichkeit? Das Gehabe, sich so etwas nicht anzutun? ich weiß es nicht. Gestern am Schnelllader beim Supermarkt habe ich wie so oft Passanten über die E-Mobilität aufgeklärt. Einer der drei markierten Parkplätze war schon vom Verbrenner besetzt, ich stand auf dem anderen, Mitte noch frei.

Ich philosophierte gerade so über jahreszeitenabhängige Reichweiten, als es hinter mir dunkel wurde. Ein sternbewährtes Riesenauto Modell GL-irgendwas wollte sich in die Lücke quetschen, was nicht ging, da ich – rechts parkend – die Fahrertür auf hatte und auf die Parkhinweisschilder deutend auf die versuchte Fehlbesetzung hinwies. Während mich ein junges weibliches Augenpaar hinter Schicki-Micki-Sonnenbrille über das Lenkrad verständnislos anschaute, ging die Beifahrertür auf und ein junger Mann stieg aus. Enges T-Shirt, Oberarme wie ich Oberschenkel – und ich bin nicht zierlich gebaut.

Was jetzt wohl kommt, dachte ich mir und klärte den muskelbepackten Zeitgenossen über Sinn und Zwecke der Parkplätze auf. Daraufhin sagte er ganz freundlich, man wolle nur kurz halten. Das übliche Argument also. Da ich meine Streitkultur nur in dafür vorgesehenen Runden auslebe, habe ich meine Tür wortlos zugemacht und die junge Dame stellte ihr sie sichtlich überfordendes Flagschiff automobiler Verschwendungssucht so schief wie es nur ging in die Parklücke.

Ich hätte das eigentlich fotografieren müssen, aber ich bringe ungerne Schärfe in Situationen, die dessen nicht bedürfen. Daher nur meine ausschweifend verbalen Ausführungen an dieser Stelle. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich Fahrer von hoffnungslos überdimensioniertem Blech in einer Art behindertenstatus wähnen. Ich bin gehandicapt durch die Größe meines Fahrzeugs, für das die durchschnittliche Parklücke nicht vorgesehen ist. Ich bin also gezwungen, auf nichtgekennzeichneten Flächen zu parken.

Ich hege weiterhin unerschütterlich die Hoffnung, dass mit dem unverzichtbaren und wohl auch unabwendbaren Umstieg auf die E-Mobilität das Reflektieren der eigenen Bedürfnisse in Relation zu den Bedürfnissen der Masse auch der Gigantismus des Individualverkehrs seine Grenzen finden wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.