Ein Jahr Zoe – ein Jahr elektrisch

Ist es wirklich schon ein Jahr her, dass ich meinen schwarzen Zoe beim Renault-Händler in Hamburg abgeholt habe und in das damals noch angenommene Abenteuer elektrisches Fahren gestartet bin?

Scheinbar schon, denn vor einigen Tagen hatte ich meinen inzwischen mit zahlreichen Hinweisen auf die neuartige Fortbewegungsmethode verzierten Boliden beim hiesigen Freundlichen zur Inspektion. Die Durchsicht selbst war unspektakulär, mit genau 100 Euro Kosten entsprach die Rechnung dem, was ich schon im Internet gelesen hatte.

Einzig der Austausch des rechten Querlenkers vermieste mir ein wenig die Freude an der Wartungsarmut meines Fahrzeugs. So musste ich doch 350 Euro mehr berappen, um wieder geräuscharm unterwegs zu sein. Der Defekt hatte nämlich zu heftigen Quietschgeräuschen beim Lenken geführt. Ich mag es ja, wenn die Passanten hinter mir herschauen, aber doch nicht, weil ich sie akustisch belästige. Aber dieser Defekt hat ja nichts mit der E-Mobilität zu tun, sondern kann bei jedem Fahrzeug vorkommen. Wobei es aber eine Schwachstelle des Zoe zu sein scheint.

Nun ist mein Zoe also wieder auf dem neuesten Stand. Alle anstehenden Updates wurden eingespielt, auch das des Batteriemanagementsystems, dass das Laden optimieren und die Reichweite ein wenig erhöhen soll. Neuster Stand? Naja, nicht ganz. Denn ich hatte mir auch die Kapazität des Akkus ausdrucken lassen. Diese wird bei jeder Inspektion ermittelt. Der Akku ist gemietet und wird bei einer Kapazität von weniger als 75 Prozent von Renault kostenneutral getauscht. Und mein Akku hat nach 3,5 Jahren und 50000 km nur noch eine Leistungsbereitschaft von 83 Prozent. Im nächsten Jahr ist er wohl fällig.

Zugegeben, ich lade sehr oft an Schnellladern, was der Lebensdauer der Batterie nicht unbedingt förderlich ist. Aber trotzdem bin ich doch froh, dass ich den Mietvertrag habe und so bald wieder ein paar Kilometer mehr auf der Reichweitenanzeige haben werde.

Ich weiß nicht, mit wieviel Ladevolumen ich ihn vor einem Jahr übernommen habe. Damals habe ich über so etwas noch nicht nachgedacht. Allerding machte ich nur eine geringfügig nachlassende Reichweite aus. Neulich war ich auf Tour an die Ostsee. 121 km mit Stadt, Überland und hauptsächlich Autobahn bei 98 km/h Reisegeschwindigkeit. Mit 100 Prozent Ladezustand gestartet hatte ich am Zielort noch eine Restreichweite von 52 km. So schlimm kann es um meinen Stromspeicher also noch nicht bestellt sein.

Ansonsten bin ich mit meinem Fahrzeug hoch zufrieden und bereue den Umstieg auf ein E-Auto nicht im Geringsten. Die Einschränkungen im Winter habe ich ja in mehreren Beiträgen hinlänglich beschrieben. Ansonsten hat mich mein Mobil nicht einmal im Stich gelassen.

Neulich waren wir mal wieder auf längerer Tour und da wurde es einmal knapp, als die anvisierte Zielladesäule wegen Baustellen nicht erreichbar war und so kamen wir mit 0 Prozent Ladung und eingeschränkter Leistung auf einem nahegelegenen Autobahnrastplatz an. Aber auch hier konnte ich mich voll auf die Reichweitenanzeige verlassen und war nur bedingt aufgeregt. So leer hatte ich ihn allerdings noch nie gefahren und das erste Prozent dauerte beim Laden schon eine ganze Weile.

Alles in allem habe ich mich aber komplett an das elektrische Fahren mit geringer Reichweite gewöhnt. Man weiß die Strecken und den Verbrauch des Zoes einzuschätzen und kann so auch längere Touren mit nur wenigen Ladestops an Schnellladern planen. Und auch das Ladenetz an den deutschen Autobahnen wächst und gedeiht. Leider im von mir seltenst besuchten Süden der Republik wesentlich stärker als im Norden. Aber bis Ende 2018 sollen alle Rasthöfe an den deutschen Fernstraßen mit Schnellladern ausgerüstet sein.

Die Reichweiten der Fahrzeuge erhöhen sich, das Ladenetz wird dichter und immer häufiger treffe ich auf schon besetzte Ladesäulen. Ich habe den Eindruck, dass es voran geht mit der Elektromobilität. Und wenn Herr Kretschmann und Leute seines Schlages dann auch irgendwann das Prinzip Elektromobilität verstanden haben und nicht mehr von Wartezeiten an “Tankstellen” sprechen, dann wird sich die Entwicklung noch weiter beschleunigen. Daran arbeite auch ich in Zukunft mit guten Argumenten und einer Vorbildfunktion für meine Mitmenschen.

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