Ende der Verbrenner-Ära 2030 – geht das?

Dieser Tage sorgt der rot-grün gelenkte Bundesrat für Aufruhr in der Bevölkerung. Ein Zulassungsverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2030 soll die Bundesregierung gem eines Beschlusses des Bundesrats der europäischen Kommission als Vorschlag zur Erreichbarkeit der Klimaschutzauflagen des neuen Klimaschutzvertrages unterbreiten. Welche Empfehlung die Bundesregierung der EU allerdings vorlegen wird, ist damit noch nicht entschieden.

Hunderte von entrüsteten Reaktionen wurden in der Folge in den Kommentarfunktionen der berichtenden Medien hinterlassen.  Auf der Homepage der ARD musste sogar die Kommentarfunktion deaktiviert werden, weil die Moderatoren mit der Flut an Statements schlicht überfordert waren. Ein deutliches Zeichen für die Brisanz dieser Ankündigung.

Ich habe mir die Mühe gemacht und habe alle Kommentare auf zwei Portalen gelesen, um herauszufinden, welche Bedenken dort zum Ausdruck gebracht werden. Schwerpunktmäßig geht es um die folgenden Punkte:

– Arbeitsplätze in der Mineralöl- und in der Autozuliefererindustrie werden gefährdet.

Neue Techniken bringen neue Arbeitsplätze hervor. Gerade im Bereich der regenerativen Energien wird es zahlreiche neue Arbeitsplätze der verschiedensten Ausrichtung geben.

– Ressourcen: Beschaffung und Einsatz für die Herstellung ausreichender Akkukapazitäten für 45 Mio Autos in Deutschland.

Die Ressourcen sind vorhanden. Die Speichertechnik steckt noch in den Kinderschuhen. Der Einsatz von Ressourcen für das Jahr 2030 kann nicht mit den jetzigen Maßstäben berechnet werden. Alleine der neue Akku des Zoe bringt bei fast identischem Materialeinsatz eine Steigerung von 22 kWh auf 41 kWh. Trotzdem ist der maßvolle Einsatz der Ressourcen ein ganz entscheidendes Kriterium des neuen Mobilitätskonzepts. Nicht jeder braucht 500 km Reichweite.

– Verdreifachung der Stromproduktion um den Verkehr komplett zu elektrifizieren.

Diese Zahl stimmt schlicht nicht. Ich habe das mal nachgerechnet.

Gesamtstromverbrauch in Deutschland: 600 Mrd kWh

Gesamtfahrstrecke aller in D zugelassenen Fahrzeuge: 700 Mrd km

Durchschnittsverbrauch 20 kWh / 100 km

140 Mrd kWh für 100 Prozent elektrische Mobilität

Das macht eine Steigerung des Stromverbrauchs von nicht einmal einem Viertel. Den eingesparten Stromverbrauch für die Bereitstellung fossiler Energieträger habe ich gar nicht eingerechnet.

– Kompletter Umstieg auf regenerative Energiequellen – wie und wann.

Nach obiger Rechnung bedeutet das eine Vervierfachung des heute regenerativ erzeugten Stroms. Ein bis 2050 durchaus erreichbares Ziel. Energetisch gut durchdachte Gebäude können sich mit Photovoltaik, Speichertechnologie und intelligenten Geräten in einem intelligenten Hausnetz große Teile des Jahres autark versorgen. Große Zentralspeicher verschiedenster Technologien können die Versorgung in Zeiten gewährleisten, wenn eine dezentrale Versorgung nicht möglich ist.

– Exporteinbrüche in der Automobilindustrie, wenn nur ein paar Länder wie Deutschland, Schweden und Norwegen Vorreiter sind und komplett auf E-Autos umstellen.

Solange der Export lukrativ beibt, können die konventionellen Produktionsmethoden weiterbetrieben werden. Aber auch der Export wird sich auf E-Mobilität ausrichten und dann sind die Hersteller im Vorteil, die schon frühzeitig eine zweite Produktionsreihe in diese Richtung aufbauen.

– Staubildung an Ladestationen zur Massenreisezeit in Ferien.

Die Ladeinfrastruktur wird bis 2030 weiter wachsen. Die Batterien für Langstreckenfahrzeuge werden größere Reichweiten ermöglichen. Damit entzerrt sich das Aufkommen an den Ladepunkten.

– E-Autos sind zu teuer. Nicht jeder wird sie sich leisten können.

Elektroautos inkl. ihrer Akkus werden derzeit nur in geringen Stückzahlen hergestellt. Die Akkutechnik ist noch deutlich verbesserbar. Somit wird sich der Preis für E-Autos bis 2030 stark verringern.

– E-Autos haben eine zu beschränkte Reichweite.

Schon heute haben die neuen Fahrzeuge Reichweiten von bis zu 500 km. In 14 Jahren wir die Reichweite kein Thema mehr sein gegen den Erwerb eines E-Autos.

– Bevormundung der Bürger durch ein Verbot von Verbrennermotoren.

Katalysatoren in Verbindung mit bleifreiem Benzin und das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden sind nur zwei Beispiele, in denen eine zentrale Vorgabe zum Wandel geführt haben.  Umweltschutz und damit die Verlängerung unserer Verweilzeit auf diesem Planeten sollte nicht von der Akzeptanz der Bevölkerung abhängen. Hier gilt es, Strategien zentral zu lenken.

Ich halte den Vorstoß des Bundesrats für innovativ und durchaus durchfühbar. Sicherlich sind dafür Anstrengungen notwendig, auch um zu erwartende Widerstände zu überwinden. Umso besser wird dies funktionieren, wenn es eine klare Zielsetzung in technischer wie auch in politischer Hinsicht gibt. Außerdem ist es unabdingbar, dass diese Pläne der Bevölkerung auch im Detail begründet werden.  Wie und wann ist das Ziel zu erreichen. Ein Elektroauto-Anteil von 25 Prozent bis 2030 sollte angestrebt werden, um dem Run in der Folgezeit mit praktisch verwertbaren Erfahrungen in Sachen Infrastruktur zu begegnen.

2 Gedanken zu „Ende der Verbrenner-Ära 2030 – geht das?“

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