Hamburg bleibt dem Diesel treu

Als ich am heutigen Samstag meine morgendliche Lektüre – das Hamburger Abendblatt – aufschlug wechselten sich bei mir sarkastisches Lachen und fassungsloses Kopfschütteln ab.  Schon auf Seite eins wurde das große Interview mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz angekündigt. Ich weiß nicht, ob der einleitende Satz mit vollem Bewusstsein all seiner hintergründigen Bedeutung vom Autor verfasst wurde. Denn dort war bedeutungsschwanger zu lesen: “Besitzer von Dieselautos können aufatmen.”

Liebe Besitzer von Dieselautos, atmen Sie auf. Vergessen Sie dabei aber bitte nicht, was Sie beim Aufatmen einatmen. Nämlich jede Menge Feinstaub, der sich ungefiltert in alle Regionen Ihres Körpers verteilen wird. Herr Scholz begründet seine Ankündigung, dass es ungeachtet aller Feinstaubverordnungen auch zukünftig keine Fahrverbote für Selbstzünder in der Hansestadt geben wird, ganz im Sinne seiner Partei-Doktrin mit dem sozialen Hintergedanken, dass einjeder Auto-Mobilist weiterhin das Anrecht haben soll, sich individuell im Ballungsraum an Elbe und Alster bewegen zu dürfen.

Und die Begründung für seine visionären Aussagen liefert das Oberhaupt der freien und Hansestadt gleich mit. Ich zitiere: “Im Vergleich mit den anderen (etwa 400 Regionen in Europa mit ähnlichen Problemen) sind wir Hamburger wahrscheinlich unter den Ersten, die die Probleme lösen werden. Unser natürlicher Vorteil: Hier gibt es recht viel Wind und die Stadt ist nicht sehr dicht bebaut.”

Verstehen Sie Herrn Scholz ähnlich wie ich? Der Wind wird den Feinstaub wegblasen und damit gerecht im Umland verteilen und schon ist das Problem gelöst? Vor der Haustür stimmt die Klimabilanz. Herzlichen Glückwunsch, so sieht nachhaltige Politik aus.

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