HansE soll den Norden elektromobil machen

Wenn man mit einem neuartigen Konzept an die Öffentlichkeit geht, dann zieht das meist Reaktionen nach sich. So ist es mir mit meinen Berichten im Hamburger Abendblatt ergangen. Als Ottonormalverbraucher, der öffentlich über seine Erfahrungen mit der Elektro-Mobilität berichtet, wurde ich vom Projektteam E-Mobilität der HanseWerk AG zum Erfahrungsaustausch eingeladen.

Da der Firmensitz der ehemaligen e.on hanse quasi direkt um die Ecke ist, nehme ich die Einladung gerne an. Ich nutze die Gelegenheit, als Besucher des HanseWerk meinen Zoe an der dortigen Ladesäule vollzuladen, während wir uns über die Elektrifizierung des Nordens unterhalten.

HansE heißt das Projekt, mit dem innerhalb von drei Jahren 50 Ladestellen in der Metropolregion Hamburg flächendeckend errichtet werden sollen.  Hierzu gilt es, das Nutzerverhalten zu analysieren und nach verschiedensten Aspekten wie Lastmanagement, Berrierefreiheit, Verweildauer und Infrastruktur geeignete Standorte zu ermitteln.

Hier stellt sich nun die Frage, wie denn dieser ideale Standort aussehen sollte.  Am einfachsten wäre wohl die Vorstellung, dass an jeder Tankstelle auch eine Ladestelle vorhanden wäre. Ein Dach über dem Kopf, eine klare Ausschilderung, ein Kiosk, idealerweise wird auch ein WLan-Zugang angeboten. Doch befinden sich die Tankstellen in Privatbesitz und somit ist an diesen Standorten noch lange nicht an ein flächendeckendes Netz zu denken.

Also heißt es in Sachen Ladeinfrastruktur umzudenken. Was unterscheidet den Ladevorgang vom Tankvorgang? Ganz klar: die Dauer. Auch an den Schnellladern ist mit einer durchschnttlichen Verweildauer zwischen einer halben und einer Stunde zu rechnen. Also macht es doch Sinn, Lademöglichkeiten an Orten zu installieren, an denen eh eine längere Verweildauer des täglichen oder wöchentlichen Lebens inkludiert ist. Beispiele hierfür sind Einkaufszentren, Badeanstalten, Fitnessstudios oder Stadtparks und andere Sehenswürdigkeiten.

Neben der barrierefreien Verfügbarkeit in Sachen Ladeverbund und physikalischer Zugänglichkeit der Säule kommt dem Bezahlkonzept eine grundlegende Bedeutung zu. Auch wenn der klassische Tankwart schon lange ausgedient hat, erfolgt die Bezahlung an der Tankstelle immer noch von der Hand in die Hand. Das menschliche Gegenüber an der Kasse entfällt jedoch beim Ladevorgang. Also muss ein nachvollziehbarer Automatismus etabliert werden. Bargeld und EC-Karte erscheinen hier wenig zukunftsträchtig. Prepaid-, Lastschrift- und Kreditsysteme per QR-Code kämen hier in Frage.

Die Verfügbarkeit der Säule wird mit steigender Zahl von Nutzern auch von der Art der Abrechnung beeinflusst. Wird rein nach Energiemenge abgerechnet, läd das zum übermäßig langen Verweilen und damit zur ineffizient langen Belegung der Lademöglichkeit ein. Abhilfe würde hier die Bezahlung nach Ladedauer machen, die von einigen Betreibern schon durchgeführt wird. Dies würde aber bedeuten, dass die Energie je nach Ladetechnik des Abnehmers preislich unterschiedlich angeboten wird.

Zudem gibt es die Überlegungen, nicht alle Ladepunkte mit Schnellladern auszustatten. Auf der Durchreise zum Beispiel an Autobahn-Rasthöfen machen diese absolut Sinn. An Orten des öffentlichen Lebens mit längerer Verweildauer darf es aber auch gerne etwas weniger Leistung sein. Hierbei darf aber der Aspekt der steigenden Akkukapazitäten nicht außer Acht gelassen werden. Einen 60kwh-Akku mit einer Leistung von 11kW befüllen zu wollen, wird wohl nur an den wenigsten Points of Interest Sinn machen.

Ich hatte einen wirklich spannenden und informativen Termin beim HanseWerk, der mir die Komplexität rund um den Aufbau eines zweck- und funktionsorientierten Ladenetzes vor Augen führte. Wie auch immer ein Abrechnungssystem aussehen wird, wichtig ist eine gewisse Homogenität auch über die Landesgrenzen hinaus.  Allem voran steht allerdings die Aussicht, dass der ladetechnisch noch sehr unterentwickelte Norden Deutschlands durch das Projekt HansE einen deutlichen Schub in Sachen Elektromobilität mit einem mit Strom aus regenerativen Quellen gespeisten Ladenetz erhält.

 

Links zum Thema:

HansE Metropolregion Hamburg

E-Mobilität HanseWerk

 

Aufruf zur Blogparade Elektromobilität 2016

2 Gedanken zu „HansE soll den Norden elektromobil machen“

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