Mit dem E-Auto quer durch die Republik

Deutschland misst von der dänischen Grenze im Norden bis zum Bodensee am Rande der Alpen annährend 1000 km. Zumindest, wenn man dem Verlauf der A7 folgt, die die Republik einmal von Nord nach Süd durchläuft.  Diese Strecke sollte man mit dem Auto an einem Tag bewältigen können.  Aber geht das auch mit einem Elektroauto der ersten Generation? Wir haben es probiert.

Zwar sind wir nicht beim Ursprung von Deutschlands längster Autobahn in Flensburg gestartet, sondern erst an der Anschlussstelle Quickborn 10 km nördlich von Hamburg. Aber trotzdem lag bis zu unserem Ziel in Friedrichshafen am Bodensee eine beachtliche Strecke von rund 850 km vor uns.  Ein Grund für unseren Besuch des größten Binnengewässers Deutschlands war ein Vortrag von Prof. Dr. Volker Quaschning von der HTW Berlin zum Klimawandel und den technischen Möglichkeiten, die sich uns bieten, diesen in erträglichen Grenzen zu halten. Diese Veranstaltung haben wir mit einem dreitägigen Urlaub verbunden.

Wer auf große Reise gehen will, sollte früh aufstehen. Und so sind wir um 5.30 Uhr bei mageren 7 Grad und absoluter Dunkelheit mit unserem 2013er Renault Zoe mit 22 kWh-Akku und 43 kW-Schnelllader gestartet. Die Route ist nicht schwer, immer dem Verlauf der A7 gen Süden folgen. Die Ladepunkte haben wir über den Routenplaner auf www.goingelectric.de ermittelt. Dort kann man das Fahrzeug, die Reichweite, die Ladegeschwindigkeit und die Entfernung der Ladepunkte von der schnellsten Route ermitteln. Wir haben uns nur für 43 kW-Wechselstromlader im Ladeverbund The New Motion entschieden. An Bord haben wir die gleichnamige Ladekarte sowie die RFID-Karte unseres Stromanbieters Naturstrom.

Naturstrom rechnet noch bis Ende September pro Minute 15 Cent ab. New Motion geht bei der Abrechnung meist nach geladener Strommenge. So können wir je nach Ladeszenario wählen. Am Schnelllader kommt meist die Naturstrom-Karte zum Einsatz. So kostet einmal vollladen in der Regel ca. 5 Euro.

Unser erster Boxenstopp steht nach 97,4 km auf dem Rastplatz “Vorm Wiezenbruch” zwischen Hamburg und Hannover an. Die Fahrt bis hierhin war geprägt von der Großbaustelle Hamburg. Wir erreichen den Schnelllader nach einer Stunde. Während der Morgen graut, laden wir hier für 44 Minuten. Die Kälte macht der Geschwindigkeit trotz Autobahnfahrt zu schaffen. (Gesamtstrecke: 97,4 km / Durchschnittstempo: 91,7 km/h / Durchschnittsverbrauch: 16,6 kWh/100 km / Gesamtverbrauch: 16 kWh)

SLAM-Ladepark am Zainer Berg.
SLAM-Ladepark am Zainer Berg.

Um 7:10 Uhr brechen wir auf zum zweiten Zwischenstopp, dem Maxi-Autohof am Zainer Berg in Seesen. Hier mussten wir übrigens vor zwei Jahren auf dem Weg nach Göttingen zum bislang einzigen Mal auf Langstrecke warten, weil die Säule besetzt war. Heute stehen dort vier Säulen des SLAM-Projekts und es können neun Autos gleichzeitig laden, wenn sie die richtigen Anschlüsse besitzen.

Wir kommen bei inzwischen schönstem Sonnenschein und 15 Grad um 8:41 Uhr nach 133,3 km dort an und laden für 44 Minuten. Geladen wird je nach Etappe bis rund 90 Prozent, danach verlangsamt sich die Ladegeschwindigkeit deutlich und das Warten dauert länger als der Geschwindigkeitsgewinn. (230,7 km / 90,4 km/h / 15,4 kWh/100 km / 35 kWh).

Photovoltaik auf dem Lohfeldener Rüssel
Photovoltaik auf dem Lohfeldener Rüssel

Weiter geht es zum Highlight unserer Ladetour. Um 10:35 Uhr biegen wir nach 99 km auf den Lohfeldener Rüssel ab. Ein Autohof bei Kassel, der sich komplett selbst mit regenerativer Energie versorgt. Auf 1500 qm erzeugen hier seit 2009 Photovoltaikmodule mit einer Leistung von 211,6 kWp täglich mehr als eine Megawattstunde Strom. Zwei Schnelllader werden gespeist von zwei Modulfeldern, die der Sonne nachgeführt werden. Na bitte, so geht es doch mit der Stromversorgung für E-Autos. Nix Kohlestrom. Lasst den Hambacher Forst bitte stehen! (329,7 km / 15,3 kWh/100 km / 87,7 km/h / 50 kWh).

Die Ladezeit von 35 Minuten ist mit der Bewunderung dieses Mahnmals moderner Energieversorgung schnell überbrückt und wir stürzen uns auf die Piste durch die Kasseler Berge. Man kann während der Fahrt sehr gut mit der Reichweite spielen. Allerdings fehlte uns trotz über zwei Jahren E-Mobilität noch jegliche Erfahrung mit Bergfahrten. Daher starten wir eher zaghaft mit 110 km/h und haben auf der zweiten Hälfte der Etappen dann auf 120 km/h beschleunigt. Wenn noch besonders viel Strom im Akku ist, dürfen es auch mal 140 km/h werden, die Höchstgeschwindigkeit unseres Zoe.

Die Mittagsrast legen wir nach einer Reise von 105,8 km in der Rhön auf dem Autohof Eichenzell ein. Es ist 12:27 Uhr, die Sonne hat die Temperatur auf 24 Grad erhöht. Von den vier Ladesäulen des SLAM-Projekts ist eine defekt, der einzige technische Fehler, den wir auf unserer Reise erleben. Nach 34 Minuten geht es weiter. (435,5 km / 15,6 kWh /100 km / 87,4 km/h / 68 kWh).

Doppel-Schnelllader bei Würzburg
Doppel-Schnelllader bei Würzburg

Um 13:52 Uhr erreichen wir den Autohof in Hausen bei Würzburg. Mit 80,9 km war das eher eine Sprintetappe. Aber wir haben uns bewusst für Ladeorte mit Reserve entschieden. Soll heißen, wir haben darauf geachtet, dass es sich soweit möglich um Ladeparks mit mehreren Säulen handelt, um das Risiko von Verzögerungen durch technische Defekte und Belegung der Säulen zu minimieren. (516,4 km / 15,9 kWh/100 km / 88,5 km/h / 82 kWh).

SLAM-Ladepark bei Ellwangen
SLAM-Ladepark bei Ellwangen

40 Minuten dauert der Aufenthalt, dann geht es weiter gen Süden. Ellwangen heißt der nächste und letzte Autohof auf unserer Tour. Die Autohöfe, meist in der Nähe der Rastplätze gelegen, sind doch wesentlich entspannter, weil nicht so frequentiert. Selten ist der Weg dorthin länger als ein Kilometer von der Autobahn entfernt. 15:53 Uhr ist es, als wir die 119,6 km hierher abgespult haben. (636,0 km / 15,8 kWh/100 km / 88,9 km/h / 100 kWh).

Zwei Schnelllader am Rasthof Illertal
Zwei Schnelllader am Rasthof Illertal

Unser letzter Stopp sollte eigentlich am Rasthof Illertal in Baden Württemberg sein. Allerdings verlockte ein Autobahnschild Richtung Friedrichshafen den Fahrer dazu, dem Navi zu widersprechen und auf die B32 zu wechseln. Keine so gute Idee, da wir dort in den einzigen Stau auf dieser Tour fuhren. Geladen wurde nach weiteren 90,4 km um 17:48 Uhr in Neu Ulm an einem zentralen Schnelllader. Ein kurzer Bummel im nahegelegenen Einkaufszentrum überbrückt die Wartezeit von 27 Minuten. (726,4 km / 15,9 kWh/100 km / 87,0 km/h / 115 kWh).

Dann geht es endlich per Landstraße auf die Zieletappe. 107 km liegen noch vor uns und um 19:38 Uhr, nach 14:08 Stunden erreichen wir unser Hotel in Friedrichshafen am Bodensee. 843,4 km liegen hinter uns, die wir mit acht Ladestopps mit einem Durchschnittsverbrauch von 15,8 kWh/100 km und einem Durchschnittstempo von 86,4 km/h absolviert haben. Insgesamt haben wir auf der Tour quer durch Deutschland 131 kWh verbraucht.

Unsere Rücktour ist wegen einer leicht modifizierten Route 3,2 km kürzer und wir schaffen sie ohne jegliche Verzögerungen in 13:30 Stunden. Auch wenn wir zwei oder drei Stunden länger gebraucht haben als zu Verbrennerzeiten, ist dies eine durchaus gebräuchliche Reisemöglichkeit für Gelegenheitsnutzer. Für die insgesamt rund 1700 km haben wir kaum 60 Euro bezahlt. Günstiger kann man kaum reisen.

Als wir vor rund zwei Jahren zum ersten Mal mit dem Elektroauto auf Langstrecke gingen, war die Infrastruktur bei weitem noch nicht so gut ausgebaut wie heute. An Ladeparks war damals nicht zu denken, auch Schnelllader waren nicht überall verfügbar. Teils musste auf 22 kW zurückgegriffen werden. Auf unserer aktuellen Tour haben wir außer mehreren Teslas an den Superchargern kein einziges E-Auto beim Laden getroffen. Die Befürchtung, es könnte zu Wartezeiten bei größerer Verbreitung der E-Mobilität kommen, können wir nicht teilen. Die Infrastruktur an der Hauptverkehrsachse A7 ist aktuell sehr gut dimensioniert.

Und wie war die Situation am Zielort? Sowohl in Friedrichshafen wie auch bei einem Tagesausflug in das sehr hübsche schweizerische St. Gallen konnten wir auf einem von mehreren Tiefgaragenplätzen mit 22 kW barriere- und kosenfrei laden. Einzig die gängigen Parkgebühren fielen an. So soll es sein!

Lademöglichkeiten am Bodensee
Lademöglichkeiten am Bodensee

Nach 14 Stunden sind wir entspannt am Ziel angekommen und die gefühlte Reisedauer ist überschaubar. Die vielen Abwechslungen bei den acht Ladestopps und die relativ kurzen Etappen lassen keine Langeweile aufkommen. Das Zwischenziel ist das Ziel, nicht das weit entfernte Reiseziel. Gefühlt waren wir gar nicht einen kompletten Tag lang unterwegs. Unserer Einschätzung nach ist eine Tagestour von 1000 km mit dem Zoe Q210 durchaus möglich.

 

 

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