ÖPNV und die Deutsche Bahn – die Alternativen zum E-Auto?

Was ist noch umweltverträglicher als das Elektroauto? Richtig: Gar kein Auto. Wir haben unseren Fuhrpark inzwischen auf ein Fahrzeug und zwei Fahrräder verringert. Also war es an der Zeit, mal wieder die Alternativen zum Individualverkehr zu testen.

Ich oute mich an dieser Stelle als bekennender Autofahrer. Es ist bequemer und aus unserer wohnlichen Situation heraus meist auch für Langstrecken das schnellere Fortbewegungsmittel. Wobei, wenn es mir auf Zeitersparnis während der Reise ankäme, wäre ein reichweitenstarker Diesel sicherlich weiterhin die beste Lösung. Aber davon haben wir uns ja definitiv verabschiedet.

Kürzlich verschlug es mich beruflich von Hamburg nach Kassel. Ich entschied mich, die ca. 330 km lange einfache Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu absolvieren. Hamburg Hauptbahnhof – Kassel Wilhelmshöhe und zurück 2. Klasse mit Sitzreservierung für 86 Euro.

Normalerweise benötige ich von meinem Wohnort bis zum Hauptbahnhof der Hansestadt schon über eine Stunde. Dieses Mal kam noch die Erschwernis eines Schienenersatzverkehrs dazu. Gleise müssen instand gehalten werden, das kommt vor, dafür kann man durchaus Verständnis haben. Also ließ ich mich der Einfachheit halber und weil es sich gerade anbot, mit dem Auto bis hinter die Unterbrechungsstelle der U-Bahnlinie 1 des Hamburger Verkehrsverbunds bringen und stieg dort ein. Nach 30 Minuten erreichte ich den Hauptbahnhof, 5 Minuten Fußweg und ich hatte mein Gleis erreicht.

Der gebucht ICE kam pünktlich und ich machte es mir in der zwar überschaubaren, aber trotzdem nicht unbequemen 2. Klasse gemütlich, mich schon auf ein leckers Abendessen und ein Kaltgetränk in Kassel freuend, wo ich gegen 21 Uhr ankommen sollte.

Kurz vor Hannover ertönte dann eine Durchsage, die schon ein wenig verstörend war: “Verehrte Fahrgäste, das wird jetzt ein wenig kompliziert”, verkündete der Zugführer, als er uns Reisenden erklärte, dass unser Zug in Hannover eine Dreiviertelstunde Aufenthalt haben würde. Grund: Ein Zug aus München hatte Verspätung und das Personal dieses Zuges sollte den Service in unserem Reisegefährt übernehmen. Jedoch stand dem Wechsel nicht nur die Verzögerung, sondern auch eine gesetzlich vorgeschriebene Pause im Wege. Daher der lange Aufenthalt.

Ok, Pausen müssen sein, das Recht nehme ich mir bei der Arbeit auch. Aber so richtig nachvollziehbar war diese Maßnahme bei uns Reisenden nicht. Glück im Unglück: Ich konnte mit einem anderen Zug nach Kassel weiterreisen, der einige Minuten früher in Hannover abfuhr. Die Weiterreisenden nach Basel hatten dieses “Glück” nicht.

Im neuen Zug hatte ich zwar keine Sitzplatzreservierung, aber ich hatte erneut Glück und ergatterte noch einen freien Platz. So kam ich nur mit etwa 35 Minuten Verspätung in Kassel an, wo ich mir ein Taxi zum Hotel nahm, da ich keine Lust mehr hatte, auf die S-Bahn zu warten.

Nach zwei spannenden Tagen zum Thema Digitalsierung erwartete mich die nächste Verzögerung. Der ICE zurück in die Hansestadt wurde zunächst mit 20, dann mit 25 Minuten Verspätung angekündigt, kam schließlich satte 35 Minuten zu spät und musste dann auch noch auf einen pünktlich eingefahrenen ICE nach Berlin warten, der Vorfahrt bei der Ausfahrt hatte.

Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung im Gepäck ging es also auf die Heimreise. Normalerweise hätte ich ja erwartet, dass zumindest ein Teil des Verzugs durch ein leicht erhöhtes Reisetempo wieder aufgeholt wird. Aber Pustekuchen. Der Triebkopf war defekt und erreichte seine Reisegeschwindigkeit nicht mehr. So kamen wir schließlich mit über eine Stunde Verspätung in Hamburg an. Schon da hatte ich das geplante Abendprogramm abgesagt. Als ich dann  noch 20 Minuten auf den Schienenersatzverkehr an der U1 warten musste, während in die andere Richtung drei Busse vorbeikamen, war es dahin mit meiner guten Laune. Gequetscht in einen riesigen Gelenkbus wurden vier U-Bahn-Ladungen Passagiere abgefertigt. Verzögerung insgesamt nochmal eine Dreiviertelstunde.

Hätte man hier nicht kleinere Busse häufiger fahren lassen können? Aber halt nein, das hätte ja einen höheren Personaleinsatz dieser teuer bezahlten Lenker benötigt.

Genug des Sarkasmus. Mein Fazit dieser Reise, wenn sicherlich auch überdurchschnittlich beeinträchtigt durch den Fehlerteufel: Es muss sich noch einiges im öffentlichen Massenverkehr tun, damit die Akzeptanz das Verkehrschaos auf unseren Straßen entlastet. Von den Preisen einmal ganz zu schweigen. Für die Fahrt über drei Haltestellen zahle ich hier schon 3,30 Euro und die Reise nach Kassel und zurück ist mit dem Individualverkehr wesentlich billiger zu haben. Denn schließlich hat mich die ganze Reise inkl. Taxifahrt 107,30 Euro gekostet. Dafür kann ich elektrisch seeeehr viel weiter fahren.

Wenn ich also nicht günstiger mit der Bahn unterwegs bin und auch nicht schneller, was sollte mich zukünftig dazu bewegen, mich regelmäßig auf diese Reisemethode einzulassen?

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