Oh nein! Ein R90 am Schnelllader

Neulich an meiner Haus-und-Hof-Ladesäule: Wie immer im Winter fahre ich direkt nach der Arbeit zur nahegelegenen 43 KW-Ladesäule, um meinen Akku halbwegs schnell wieder vollzubekommen. Doch was sehe ich da: Ein Zoe parkt davor. Ok, ist ja nicht so schlimm, der wird ja schnell voll sein. Kleiner Akku, schneller Lader. Kein Problem.

Aber Pustekuchen. Ich schaue auf das Display der Stromers und da steht 36 % Ladestatus und 2:35 Stunden Restzeit. Als der Fahrer zu seinem Auto kommt, klären sich die Werte auf. Es ist ein R90, der neue Zoe mit 41 kWh-Akku. Leider aber auch mit dem in Deutschland einzig angebotenen 22 kW-Lader, der laut Renault eine effizientere Ladung ermöglicht.

Dies ist aber nicht der Fall, wenn mit einem solchen Fahrzeug eine Schnellladesäule blockiert wird. Der freundliche Zeitgenosse zeigte sich auch enttäuscht über dieses Ladeverhalten und schaute schon fast neidisch auf meinen Q210, der die volle Leistungsfähigkeit der Säule ausgenutzt hätte.  Trotzdem er mir zusagte, nur noch 20 Minuten laden zu wollen, da es sich um eine Probefahrt mit dem Neuen handle, entschied ich mich, auf das Laden zu verzichten, da ich mit dem Reststrom noch auskomme und es am Folgetag wieder versuchen werde.

Gar nicht auszudenken, er hätte versucht, seinen Akku an diesem Schnellader wieder voll zu bekommen. Die Säule wäre über Stunden blockiert gewesen.

Trotzdem machte ich mir auf dem Heimweg Gedanken über die Sinnhaftigkeit dieses technischen “Fortschritts”. Die gesteigerte Effizienz mag ja schön und gut sein, macht den neuen Zoe aber keineswegs zu einem besseren Langstreckenfahrzeug. Geeignet eigentlich nur für ein Fahrprofil, das eine tägliche Wegstrecke von zwischen 120 km (dem winterlichen Maximum beim Q210) und 200 km (dem winterlichen Maximum des R90) erfordert. Alle Bedürfnisse außerhalb dieses 80 km breiten Korridors führt die Anschaffung dieses Fahrzeugs ad absurdum.

Denn bei kürzeren Strecken reicht der Q210 vollkommen aus, bei längeren Strecken geht der Zeitvorteil für den R90 beim Laden wieder verloren, wenn man denn nicht lange Standzeiten des Fahrzeugs mit Ladezeiten verbinden kann, was bei der heutigen Infrastruktur noch recht selten der Fall ist.

Ein Vollladen des R90 macht in Zeiten, da wir von Arbeitsplatzlademöglichkeiten noch weit entfernt sind, wohl nur nachts Sinn, denn unter optimalen Bedingungen benötigt eine komplette Ladung minimum 2 Stunden. Unschön, wenn die eh schon rar gesähten öffentlichen Wechselstrom-Lademöglichkeiten so lange blockiert werden.

Für mehr Flexibilität und schnelleres Laden sollte Renault sich gerade für Langstrecken doch mal Gedanken machen, ob man dem Zoe nicht noch einen CCS-Lader mit an die Hand gibt, denn so können auch endlich mehrere Zoes gleichzeitig an einem Triple-Lader zapfen.

Ein Gedanke zu „Oh nein! Ein R90 am Schnelllader“

  1. Dazu sollte man noch auf dem Zettel haben, dass Deutschland nach meinem Stand das einzige Land ist, in dem der Zoe nicht mehr mit dem 43 KW Lader verkauft wird…

    Aber wenn Mercedes die B-Klasse nur mit einem 11KW-Lader verkauft, muss man sich nicht wundern.

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