Schneller, höher, weiter – Wieviel Akku braucht das Auto?

An eine Art der Fortbewegung dachte Pierre de Coubertin sicher nicht, als er die Olympischen Spiele der Neuzeit 1894 mit den Leitsatz citius, altius, fortius (schneller, höher, stärker – später im deutschen Gebrauch in schneller, höher, weiter abgewandelt) gründete. Doch treffen zumindest zwei dieser Attribute auf die Entwicklung der Elektromobilität durchaus zu. Nämlich mit dem E-Auto schneller weiter zu kommen.

In einer angeregten Diskussion zur Ankündigung eines größeren Akkus für den Renault Zoe auf goingelectric.de habe ich dieses Streben einmal in Frage gestellt vor dem Hintergrund der ökologischen Betrachtungsweise des schonenden Umgangs mit den Ressourcen des Planeten. Mein Fahrprofil verlangt mir ein mehrmals wöchentlich durchzuführendes Aufladen des Akkus ab. Dies kann ich bequem beim Supermarkt um die Ecke während des Einkaufs oder auch an der heimischen Steckdose durchführen. Zweiteres ist für den Eigenheimbesitzer eines der entscheidenden Kriterien der neuen Fortbewegung. 70km Arbeitsweg nötigen mich auch im Winter nicht dazu, irgendwo auf dem Weg zwischen der heimischen Trutzburg und dem Büro einen Ladestop einzulegen.

Erst, wenn ich den Dunstkreis des Hamburger Umlands verlasse, heißt es, zwischenzuladen. Und wenn ich das drei- bis viermal im Jahr tue, dann hilft mir hierbei ein gut ausgebautes Ladenetz mit Schnellladern enorm weiter.  Ich käme also an diesen seltenen Anlässen auch wunderbar mit meinen beschränkten Reichweitenmöglichkeiten weiter. Denn seien wir ehrlich: Auch ein größerer Akkus ist irgendwann leer und muss wieder aufgeladen werden – und das dauert dann entsprechend länger. Somit verkürzt sich die Reisezeit mit einem größeren Akku wirklich nur entscheidend, wenn ich gar nicht oder nur einmal kurz vor dem Ziel Zwischenladen muss.  Denn die Energie, die wieder zugeführt werden muss, ist nicht abhängig von der Akkugröße.

Was bewegt die Autobauer also zu dem Glauben, dass 200km Reichweite nicht alltagstauglich seien? Es muss wohl an der fehlenden Akzeptanz auf Kundenseite liegen. Außerdem liegt es an der mangelhaften Infratruktur. Ist es nicht schade, dass wir eine neue Technologie einführen um sie dann an althergebrachte Bewegungsmuster anzupassen und dabei wieder den selben Fehler machen, den wir schon mit der abzulösenden Technik begangen haben. Nämlich eine endliche Resource unseres Planeten für unsere Bequemlichkeit auszuschöpfen.

Wenn ich fast täglich von Windkrafträdern lese, die abgeschaltet werden müssen, weil wir Strom im Überfluss haben und sich gleichzeitig die Kritik über die Erneuerbaren an der unkonstanten Verfügbarkeit von Grünstrom festmacht, dann frage ich mich doch, ob wir Speicherkapazitäten in Unmengen sinnlos durch die Gegend kutschieren müssen, oder ob diese nicht besser zur Speicherung des Grünstroms herhalten, wenn dieser gerade mal wieder in Überfülle zur Verfügung steht.

Wenn der neue Zoe mit beispielsweise 40kwh herauskommt, dann hätte ich mehr davon, wenn 20kwh im Zoe verblieben und 20kwh in meinen Keller wanderten und von der (noch nicht vorhandenen) Fotovoltaikanlage auf meinem Dach für schattige Zeiten gefüllt würden.

Ich bitte die Zahlen in meinem Bericht nur als Beispiele zu verstehen. In der Tat ist die Reichweite des Zoe derzeit noch sehr begrenzt und für viele Menschen in unserer heutigen mobilen Welt ein Hindernis. Aber wie viele Menschen gibt es, die wie ich mit dem heute erhältlichen Zoe schon wunderbar uneingeschränkt zurecht kämen. Doch werden diese Menschen zukünftig nicht mehr auf diesen für ihre Verhältnisse ausreichend dimensionierten Akku zurückgreifen können. Das ist nicht zielführend im Sinne der Energiewende.

So sehe ich auch die Entwicklung beim amerikanschen E-Auto-Bauer Tesla nicht ganz unkritisch. Hier ist der eingangs erwähnte olympische Gedanke immer mehr Programm interpretiert mit mehr Power und mehr Reichweite. Aber vorbei am eigentlichen Gedanken der E-Mobilität, kein Spaßinstrument sondern vielmehr ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept darzustellen.

Neue Technologien erlauben sicherlich größere Reichweiten mit geringerem Materialaufwand. Aber ich sehe derzeit ganz klar die politische Führungsebene in der Pflicht, auch für eine passende Infrastruktur zu sorgen und somit dem drohenden planlosen Wettrüsten um Akkukapazität den Wind aus den Segeln zu nehmen.

7 Gedanken zu „Schneller, höher, weiter – Wieviel Akku braucht das Auto?“

  1. Ich habe meine Zoe seit März 2016 und habe es in der Zeit nicht einmal geschafft den Akku leer zu fahren. Ok, das bin ich, aber und das muss jetzt sein, wir Menschen lieben Sicherheit und das schließt den Akku eines E Autos mit ein. Ich hätte auch lieber ein 40 kWh Akku in der Zoe, das gebe ich gern zu.
    Wenn an jeder Ecke eine Lademöglichkeit bestehen würde, dann wäre das eine fein Sache. In bin aus Sedlitz, einem Dorf in der Nähe der Stadt Senftenberg, in Senftenberg gibt es keine öffentliche Ladesäule! Ich dagegen habe einen meiner Stromanschlüsse für die Öffentlichkeit freigegeben CEE32 (22kW). Was sagte JFK? Frage nicht was dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für dein Land tun kannst.
    das könnte die Sache beschleunigen. Aber Verantwortung zu übernehmen ist scheinbar nicht modern.

    1. Hallo,

      das Errichten eines mehr oder weniger privaten Ladenetzes ist sicherlich in den Anfangszeiten einer solchen Technologie-Wende eine begrüßenswerte Sache. Aber ich sehe in Sachen Ladeinfrastruktur Politik und Industrie in der Pflicht, mehr zu tun.
      Ansonsten ist es schon richtig, die Elektroautos mit moderat vergrößerten Akkus anzubieten. Aber es kann und darf nicht dazu führen, dass man nur noch größere Akkus bekommt. Denn viele Menschen kämen auch mit den 200km für den Pendelverkehr oder als Zweitwagen wunderbar aus.

      Gruß

      Martin Oster

      1. Da hast Du absolut Recht mit der Politik und der Industrie.
        Die Akkus werden ja nicht zwangsläufig größer, sondern vor allem Leistungsfähiger, In der Zoe ist eine Batterie verbaut die dem Stand der Technik vor 10 Jahren entspricht.
        Siehe im E Golf, dort hat die Firma Kreisel einen Akku mit gleicher größe und gleichen Gewicht aber deutlich höher Leistung verbaut. Sollte in 5 bis 10 Jahren die neue Generation von Akkus kommen, wird das Thema Reichweite, kein Thema mehr sein.

  2. Es gilt ein Optimum für die Batterie herauszufinden. Bei der Auslegung einer Wärmepumpe für die Beheizung eines Hauses plant man multivalent. Die Wärmepumpe wird für 90-95% des Heizbedarfs dimensioniert und der Rest wird mit anderen Heizsystemen abgedeckt. Das spart Investitionskosten und erhöht den Gesamtwirkungsgrad in der Schwachlastperiode. Genauso sollte die Batterie für 90-95% der Fahrleistung dimensioniert werden und der Rest sollte mit anderen Fahrmöglichkeiten abgedeckt werden. Entweder ein Zweitauto mit Verbrenner oder Öffentliche Verkehrsmittel. Wozu soll ständig ein grosser Akku vorgehalten werden der nur selten ausgenützt wird? Ein überdimensionierter Akku verschleisst auch beim Stehen. Dafür ist es einfach zu schade.
    Ich selbst habe deshalb einen Peugeot Ion und einen alten Passat Diesel Combi. Der Verbrenner kommt selten zum Einsatz aber wenn es gilt einen Anhänger zu ziehen oder etwas grösseres zu transportieren dann muss der Ion passen. Mit dieser Einteilung klappt es wunderbar. Leider kostet der Zweitwagen zusätzliches Geld. Da sollte die Politik eingreifen und Wechselkennzeichen fürs Paar Elektroauto und Verbrenner schaffen. Eine Steuer eine Versicherung alles nur einmal bezahlen. Dann können wir alle unser Optimum finden.

  3. Ich halte den Drang nach standartmässig immer größeren Batterien ebenfalls nicht für zielführend, da das Elektroauto mit der grösseren Batterie immer teurer sein wird als das mit einer kleineren ! Doch Nissan macht es uns schon vor .
    Der Nissan Leaf kann mit kleiner oder großer Batterie gekauft werden ! Jeder kann also selber entscheiden was er braucht und was es einem Wert ist !
    Und dann möchte ich noch eines klarstellen:
    In Deutschland gibt es keinen überschüssigen Grünstrom !
    Es gibt überschüssigen Braunkohle und Atomstrom,
    der von Kraftwerken hergestellt wird, die nicht bedarfsgerecht geregelt werden können und deshalb in einer modernen Energieversorgung fehl am Platze sind !

  4. “So sehe ich auch die Entwicklung beim amerikanschen E-Auto-Bauer Tesla nicht ganz unkritisch. Hier ist der eingangs erwähnte olympische Gedanke immer mehr Programm interpretiert mit mehr Power und mehr Reichweite. Aber vorbei am eigentlichen Gedanken der E-Mobilität, kein Spaßinstrument sondern vielmehr ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept darzustellen.”

    Dabei sollte man nicht außer Betracht lassen, dass Tesla wie kein zweites Unternehmen den Wandel zu nachhaltiger Elektromobilität fördert und beschleunigt.
    Schon 2006 verkündete Elon Musk seinen 3-stufigen 10-Jahres-Plan, an dessen Ende ein erschwingliches Auto für den Massenmarkt stehen sollte, welches tatsächlich nächstes Jahr in die Produktion geht (Model 3).
    Auch damals wies Tesla daraufhin, dass der Tesla Roadster entgegen der Meinung vieler Kritiker kein unnützes Spielzeug für Reiche sei, sondern die Entwicklung nachfolgender Modelle finanziere.
    Als junges Unternehmen benötigt Tesla einfach Modelle der Superlative, für die die Kunden bereit sind viel zu zahlen, um sich selbst aufbauen und behaupten zu können.
    Und genau so verhält es sich auch mit der Vorstellung des neuen, größeren Batteriepaket. Zitat Tesla:

    “While the P100D Ludicrous is obviously an expensive vehicle, we want to emphasize that every sale helps pay for the smaller and much more affordable Tesla Model 3 that is in development. Without customers willing to buy the expensive Model S and X, we would be unable to fund the smaller, more affordable Model 3 development.”

    Meiner Meinung nach macht Tesla damit alles richtig. Tesla bringt Elektroautos in die Schlagzeilen, testet Grenzen aus und überschreitet sie und zeigt einmal mehr, dass Elektroautos in jeglicher Hinsicht nicht nur mit Verbrennern mithalten können, sondern diese auch überbieten.
    Und nicht zuletzt finanzieren sie dadurch sich selbst, das einzige Unternehmen, welches den Wandel zu nachhaltiger Mobilität wirklich massentauglich macht.

    https://www.tesla.com/de_DE/blog/secret-tesla-motors-master-plan-just-between-you-and-me

    https://www.tesla.com/de_DE/blog/new-tesla-model-s-now-quickest-production-car-world

    1. Ich stimme dem in großen Teilen zu. Ich wollte Tesla auch nicht verteufeln. Aber bei aller Euphorie muss man das auch kritisch sehen. Tesla sorgt auch dafür, dass das Image des teuren Elektroautos entstanden ist. Ungeachtet dessen, was man dafür bekommt. Außerdem sehe ich das Prinzip, mit dem Tesla für Reichweite sorgt bei insgesamt einer Milliarde (geschätzt) Autos auf der Erde als eher kritisch und untauglich als Zukunftskonzept.

      Und auch das Model 3 ist nur bedingt massentauglich. Ich schätze den Prozentsatz derjenigen, die für ihr Auto mehr als 35000 Euro Investitionskapital in die Hand nehmen, als eher gering ein.

      Der Wechsel zur E-Mobilität gibt uns die Chance, uns selbst und unsere Bedürfnisse zu hinterfragen. Muss der Verbrenner vom Elektroauto in allen Belangen übertroffen werden?

      Das Mindeste muss es sein, dass auch kleinere Akkus weiterhin angeboten werden. Es tut der Menschheit ganz gut, wenn sie sich mal um ihre Mobilität ein wenig mehr Gedanken machen muss und sich nicht alles von der Technik abnehmen lässt.

      Ich zitiere Zager and Evans:
      In the year 5555
      Your arms hanging limp at your sides
      Your legs got nothing to do
      Some machine’s doing that for you

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