Zoe Q210 – 210 km nur im Labor möglich?

Nach einigen theoretischen Gedankenspielen in den vergangenen Beiträgen gibt es jetzt mal wieder etwas praktisches zu berichten. Ich war im Juni zur Inspektion und laut Service-Team wurde auch das BMS-Update (Batteriemanagementsystem) durchgeführt, das einen Fehler beheben und unter anderem mehr Kapazität zur Verfügung stellen soll. Also dachte ich mir, schaue ich doch mal, was ich aus meinem 3,5 Jahre alten Akku nach 55000 km mit vormaliger Kapazität von 83 Prozent noch so – oder vielmehr wieder herausholen kann.

Bordcomputer
Bordcomputer

Im Gegensatz zu manch anderem Rekordweitenjäger wollte ich meine Möglichkeiten mit dem kleinsten Zoe-Akku allerding unter alltäglichen Bedingungen erfahren und nicht im Schneckentempo über immer gleiche ebene Landstraßen Sonntag nachts. Also habe ich als Referenz meine Pendelstrecke herangezogen. Mein täglicher Arbeitsweg führt mich 35 km größtenteils über Land. Groß herumtrödeln ist dabei nicht, denn die Strecke führt mich zwar gegen den Strom der rund 345000 Pendler, die täglich nach Hamburg fahren. Trotzdem ist sie auch in meine Richtung gut befahren.

Arbeitsweg
Arbeitsweg

Die Ausgangssituation: Ich hatte am Wochenende annährend voll geladen. Einzig das Battery-Loadbalancing war noch nicht komplett abgeschlossen. Aber die Annzeige versprach am Montag Morgen 100 Prozent Ladezustand mit 159 km Reichweite. Bei 13 Grad und ansonsten unauffälligen äußeren Bedingungen fuhr ich also nach einem Reset des Boardcomputers los. Nach 35 km am Zielort angekommen, offerierte mir die Verbrauchsanzeige einen Durchschnitt von 10,9 kWh/100 km und eine Reichweite von 139 km. Das hatte ich zumindest noch nie auf dem Heimweg.

Höhenprofil
Höhenprofil

Meine Fahrbedingungen sahen übrigens wie folgt aus: Eco-Modus ein. Klima auf 20 Grad Automatik, Display mit Blutooth an, Radio aus. Licht auf Sensor, ging gelegentlich an. Scheibenwischer ebenfalls auf Sensor, aber alles trocken. Also insgesamt durchaus alltägliche Einstellungen für den Zoe.

Die 10,9 kWh Durchschnittsverbrauch konnte ich zwar auf dem Rückweg nicht halten, aber an Tag eins zuhause angekommen, stand immer noch eine 11,2 zu Buche. Versprochene Reichweite 112 km bei einem Ladestand von 66 Prozent. Nach 70 km also genau ein Drittel verbraucht. Das sieht doch vielversprechend aus.

Gut gelaunt fuhr ich also meine Strecke am kommenden Tag erneut. Ich war bemüht, beim Beschleunigen nie die 20 kW zu überschreiten, je nach Topografie drückte ich auch nur bis 15 kW durch. Wenn weit und breit kein anderer Verkehrsteilnehmer hinter mir zu sehen war, beließ ich es sogar bei 10 kW in der Beschleunigung. Das ist dann aber schon arg zäh.

Auf meiner Tour bei 16 Grad lauem Sommerwetter geriet ich über rund 7 km in eine Traktorenschlange, also ging es nur mit 40 km/h dahin. Nicht unbedingt nachteilig für mein Unterfangen, aber ein wenig verfälschend ja schon. Auf dem Firmenparkplatz angekommen, sagten die schon bekannten Gradmesser: 11,2 kWh Durchschnitt, 92 km Reichweite und 52 Prozent Ladung.

Im Feierabend des zweiten Tages an der heimischen Trutzburg angekommen sagte der Bordcomputer dann voraus, dass die dritte Tour nicht hinhauen würde. 61 km Rest bei 11,3 kWh Durchschnitt. Von den Autobahnfahrten kannte ich es so, dass der Pessimist Bordcomputer in der unteren Ladehälfte doch gerne mal optimistischer wird. Und so war ich es auch, dass ich auch den dritten Tag ohne Laden schaffen würde.

Das sollte dann allerdings nicht ganz klappen. Obwohl die äußeren Bedingungen sich nicht geändert hatten, stieg mein Verbrauch auf 11,4 kWh an und ich erreichte den Firmenparkplatz mit 27 km Rest und 17 Prozent im Akku. Dazu kam noch, dass es auf der Rückfahrt im Gegensatz zu den ersten beiden Heimfahrten bei Sonnenschein und knapp über 20 Grad dieses Mal bei 18 Grad regnete. Licht und Regensensor waren an, zum Ausgleich schaltete ich die Klimaanlage und das Display inkl. Blutooth ab.

Es half alles nichts, nach 18 km auf dem Heimweg musste ich an die Wallbox. Die heimische Ladesäule hätte ich in 17 km Entfernung mit 2 Prozent Ladung nicht mehr erreicht. Und so standen am Ende 190,1 km bei einem Durchschnittstempo von 45,7 km/h, ein Vebrauch von 11,4 kWh Durchschnitt und 21 kWh gesamt auf dem Display. Ich schätze mal, ich hätte die 200 km-Marke noch geknackt, bevor Zoe den Dienst verweigert hätte.

Viel mehr ging nicht mehr
Viel mehr ging nicht mehr

Allerdings hat mein Akku im Gegensatz zu anderen Zoe-Fahrern nach dem Update wohl keine volle Kapazität mehr erreicht. Denn inkl. Rekuperierter Energie wurden nur 21 kWh verbraucht. Aber ich will mal nicht unzufrieden sein, das ist mehr als 83 Prozent. Und mit der Restenergie wäre ich noch verdammt nah an den NEFZ-Wert (Neuer europäischer Fahrzyklus) herangekommen, der angeblich nur unter Laborbedingungen und weiteren Vorkehrungen erreichbar ist. Ich habe das auf meinem alltäglichen Arbeitsweg geschafft, ohne auf jeglichen Komfort und Sicherheit zu verzichten und ohne als rollendes Verkehrshindernis unterwegs zu sein. Ich wurde nur einmal überholt, als ich 90 km/h fuhr. Den Kollegen habe ich allerdings wenige Kilometer später wieder eingeholt.

Allerdings habe ich mir vorgenommen, den Test nochmal zu machen. Das Fahrprofil will ich unverändert lassen, allerdings verzichte ich dann auf alle unnötigen Verbraucher, fahre zwei Abkürzungen abseits der Bundesstraße, auf denen ich nicht langsamer, aber sparsamer und ein paar hundert Meter kürzer unterwegs bin und ich werde ein komplettes Loadbalancing durchführen. Ich werde berichten.

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